Wie Hamburgs Schulbehörde den Unterricht verweigert

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Es klingt absurd: In Hamburg klagt die Schulbehörde gegen einen 18-jährigen Autisten, weil dieser zur Schule gehen will. Sein Ziel: ein eigenständiges Leben führen. Die Behörde sieht das anders.



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Einige 18-Jährige wären in Sebastians Situation höchst zufrieden. Zu Hause zu sitzen und nicht zur Schule gehen zu müssen, wäre für sie eine willkommene Alternative – erst recht, wenn sie dafür nicht einmal die Schule schwänzen müssten, sondern deshalb nicht zum Unterricht gingen, weil die Schulbehörde ihnen gesagt hätte, dass es keine Klasse für sie gibt.

Doch Sebastian ist kein gewöhnlicher Jugendlicher. Und so hat sich der Autist seinen Schulbesuch vor dem Verwaltungsgericht Hamburg eingeklagt. Er hat Recht bekommen. Und für den Fall, dass die Behörde Sebastians Forderung nach einem Besuch in einer Autistenklasse nicht in kürzester Zeit nachkommt, hat das Gericht eine Strafe, ein sogenanntes Zwangsgeld, angedroht. Doch die Behörde will den Beschluss nicht akzeptieren. Sie verklagt jetzt ihrerseits den 18-Jährigen.

Sebastian hat das Asperger Syndrom, eine leichte Form des Autismus. Es fällt ihm schwer, Gestik und Mimik anderer Menschen richtig zu deuten, auf zu viel Stress reagiert er mit körperlichen Symptomen. Mit dem Bild von einem Autisten, das Filme wie „Rain Man“ mit Dustin Hoffman geprägt haben, hat der junge Mann wenig gemein.

Sein einziger Wunsch: ein normaler Schulabschluss

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Wer Sebastian trifft, der erlebt zwar einen sehr schüchtern wirkenden Jugendlichen. Gespräche beginnt er nicht von allein. Aber wer die Geduld hat, Sebastian ein paar Fragen und Antworten lang warm werden zu lassen, kann sich mit ihm durchaus gut unterhalten. Er kann mit ihm Gespräche führen, die zeigen, dass sein Wunsch nach einem normalen Schulabschluss nicht irgendein abwegiges Ziel ist, sondern tatsächlich der Beginn eines eigenständigen Lebens bedeuten kann.

Seit der Grundschule ist Sebastians Autismusstörung bekannt. Bis zur Pubertät verlief seine Schullaufbahn weitestgehend normal. Nach der Grundschule wechselte er auf eine Stadtteilschule, war dort ein Schüler mit einem Notendurchschnitt im Dreierbereich. Doch mit der Pubertät kamen Probleme, die schließlich zum Verlassen der Stadtteilschule führten. 2015 dann einigten sich Sebastians Eltern und die Schulbehörde darauf, dass Sebastian eine spezielle Klasse für Autisten in Bramfeld besuchen durfte. Zuletzt war er dort jedoch der einzige Schüler, wurde nur betreut aber nicht mehr beschult.​
 
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